Robert Frank

Der Fotograf Robert Frank

Robert Frank, ›The Americans‹, erschienen im Steidl Verlag, GöttingenMit dem in der Schweiz geborenen Fotografen Robert Frank verbindet sich ein Fotoband, das ihm einen festen Platz im Olymp der einflussreichsten Fotografen sichern und ihm dauerhaften Weltruhm einbringen sollte.

Schon in der Schweiz, erst achtzehnjährig, interessierte sich Frank für die Fotografie. Also absolvierte er ab Januar 1941 zunächst eine freie Ausbildung bei Hermann Segesser, einem Grafiker und Fotografen in Zürich. Anschließend, ab dem Spätsommer 1942, wurde er Lehrling und Mitarbeiter erst beim Züricher Fotografen und Reporter Michael Wolgensinger, später Assistent des Fotografen Victor Bouverat in Genf und 1946 Mitarbeiter bei den Gebrüdern Eidenbenz, die ein Atelier für Grafik und Fotografie in Basel betrieben. Parallel dazu stellte Frank Standaufnahmen für Kinofilme her. Schon bald haderte Frank mit der Isoliertheit und Enge der Schweiz, er wollte weg von den Ansprüchen seiner Eltern, weg von der Begrenztheit, den mangelnden Möglichkeiten. Die Schweiz schien kein Ort zu sein, an dem er auf Dauer sich würde aufhalten wollen. 1947 zog er nach New York, um mit dem ›Dynamit der Sechzigstel Sekunde‹ (Walter Benjamin) eine ganz neue Art und Epoche, gewissermaßen einen Stilwandel in der Fotografie einzuleiten.

Um eine mehr als einjährige Reise quer durch Amerika verwirklichen und finanzieren zu können, bewarb sich Frank 1954, mit Unterstützung der Fotografen Edward Steichen und Walker Evens, für ein Stipendium der ›John Simon Guggenheim Memorial Foundation‹, die 1925 von Simon Guggenheim, zu jener Zeit Senator der Vereinigten Staaten, und Peggy Guggenheim im Gedenken an ihren 1922 verstorbenen Sohn gegründet wurde. Frank war der erste Europäer, der 1955 das einjähriges Stipendium erhielt. Obendrein spendierte Peggy Guggenheim ihm einen alten Ford aus dem Jahre 1950, einen Straßenkreuzer zwar von nahezu beängstigenden Ausmaßen, aber ein Gefährt, in dem es sich vortrefflich übernachten ließ.

Sein Anliegen, das Frank in einer späteren Erklärung zusammenfasste: Amerika durchqueren, es als Europäer erleben, den Seelenzustand der amerikanischen Nation verstehen und »einen Querschnitt durch die amerikanische Bevölkerung zeigen« (vergl. Wilfried Wiegand, darin: Robert Frank, Eine Erklärung, Seite 283). Er habe sich bemüht, »dies auf einfache und unmissverständliche Weise zu tun« (ebd., S. 283). Und mit diesem ‚Seelenzustand‘ schien es Mitte der 50er Jahre nicht gerade zum besten bestellt zu sein.

Vergleichbar mit den Arbeiten der frühen ›FSA-Fotografen‹ Walker Evans, Dorothea Lange, Russell Lee oder Gordon Parks, die zwischen 1935 und 1944 mit ihren Bildern die sozialen Zustände, die Notlage der amerikanischen Landbevölkerung, Baumwollfarmer, der Wanderarbeiter anprangerten und stilbildend für den neu entstandenen Begriff der ›Sozialdokumentarischen Fotografie‹ gewesen sind, stand auch Robert Frank in der Tradition der sozialkritischen Fotografie, die von ihm gewissermaßen fortgesetzt und im Amerika der 1950er Jahre  einen schweren Stand hatte; er war stilbildend für seine Art der Fotografie und könnte – wenn man so will – als Begründer der ›subjektivierenden Dokumentarfotografie‹ gelten.

Der Republikaner und entschiedene Antikommunist McCarthy belegte kritische Künster mit dem Stigma, Mitglieder einer kommunistischen Verschwörung zu sein, die den Regierungsapperat der Vereinigten Staaten unterwandern wollten. Nicht selten kam es vor Untersuchungsauschüssen zu quälenden Verhören und der Unterstellung, Teil einer konspirativen Verschwörung zu sein.

Was Frank auf seiner Reise durch Amerika, 1955 und 1956, mit seiner Leica festhielt, wollten die Amerikaner zunächst nicht zur Kenntnis nehmen. Also konnte das Buch 1958 vorerst nur in Frankreich erscheinen.

Es waren lediglich 83 Fotos, die ihn zur Ikone der Fotografie des Zwanzigsten Jahrhunderts werden ließen. Die Rede ist von seinem 1958 in Frankreich und 1959 in den USA erschienenen Buch ›The Americans‹. Kein geringerer als Jack Kerouac schrieb dazu das Vorwort. Franks stilbildendes und epochales Vermächtnis setzte neue Maßstäbe und hatte großen Einfluss auf zahlreiche zeitgenössische Fotografen.

[NOCH IN BEARBEITUNG …]

Frank hielt nicht viel von Kommerz und gefälligen Auftragsarbeiten für Zeitschriften oder Hochglanzmagazine (vgl., James Guimond, in: Essays) wenn er betont, dass seine Bilder stets seine subjektive Sicht, seine persönliche Meinung zum Ausdruck brächten.

Literaturhinweise

  • Michel Frizot (Hrsg.), Neue Geschichte der Fotografie, darin: Collin Westerbeck, In der Stadt und auf dem Lande. Die Nachkriegszeit in den Vereinigten Staaten, Seiten 643 bis 648, Könemann Verlag, Köln 1998
  • Urs Stahel, Martin Gasser, Thomas Seelig, Peter Pfrunder (Hrsg.), Essays über Robert Frank, Steidl Verlag, Göttingen 2005
  • LIFE DIE PHOTOGRAPHIE, Große Photographen, Robert Frank, Seiten 212 bis 213, Time-Life International (Nederland), 1978
  • LIFE DIE PHOTOGRAPHIE, Das Photo als Dokument, Kritik an der Selbstzufriedenheit: Robert Frank, Seiten 166 bis 177, Time-Life International (Nederland), 1972, 1973
  • Beaumont Newhall, Geschichte der Photographie, Seiten 298 bis 299, Schirmer/Mosel, München 1984
  • Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner rechnischen Reproduzierbarkeit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1966
  • Lucia Bühler, Verstörendes Schwarz-Weiß, in: Fotogeschichte, Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Ausgabe 110, Jg. 28, Ilmtal-Weinstraße, 2008
  • Wilfried Wiegand (Hrsg.), Die Wahrheit über Photographie. Klassische Bekenntnisse zu einer neuen Kunst, Seiten 283 bis 288, S. Fischer, Frankfurt am Main 1981

Abbildung

  • Abbildung: Buchcover zu ›The Americans‹ von Robert Frank, Steidl Verlag, Göttingen. Abdruck mit freundl. Genehmigung durch den Steidl Verlag, Göttingen