Soziologie

Die Soziologie der Fotografie ist ein Teilgebiet der Soziologie. Sie beschäftigt sich mit dem gesellschaftlichen Stellenwert, dem sozialen Gebrauch und den daraus resultierenden Veränderungen im Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch, technischen Möglichkeiten und gesellschaftlicher Wahrnehmung, die mit dem Medium einhergehen.

Nachdem die Erfindung der Fotografie 1839 in Paris veröffentlicht wurde, entstanden in den letzten Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts allein in Frankreich mehr als tausend fotografische Ateliers, die sich hauptsächlich der Porträtfotografie verschrieben haben. Von den Künstlern wurde die Fotografie dagegen mehrheitlich abgelehnt; sah man doch in den Ateliers eine ernsthafte Konkurrenz zur künstlerischen Porträtmalerei, die auf der Leinwand der Staffelei entstanden sind oder noch entstehen sollten.

Das aufsteigende Bürgertum jener Zeit nahm die neuen technischen Mögichkeiten – wie es schien – dankbar an. Nun konnte man mit der bestürzenden Mühelosikeit eines einzigen Knopfdrucks eindrucksvolle Porträts erzeugen. Und dem Bürgertum war es nun möglich, mit den entsprechenden Requisiten, die das Atelier bereithielt, Reputation, Würde und politische Macht zu demonstrieren.

Die auf diesen Seiten veröffentlichte Diplomarbeit, die in der Zeit von 1980 bis 1982 an der Freien Universität Berlin bei Prof. Dr. Dietmar Kamper geschrieben wurde, befasst sich im wesentlichen mit den unterschiedlichen Gebrauchsweisen der Fotografie:

»Anhand dreier Aspekte: der frühen Porträtfotografie, der konventionellen Fotopraxis und der fotografischen Werbung werden Probleme der sozialen Wahrnehmung, der Inszenierung von Realität, der symbolisch vermittelten Objektivität abgehandelt und die zum größten Teil vorbewussten Gesetzmäßigkeiten herausgestellt, denen das Medium folgt.« (Dietmar Kamper, im Gutachten zur Diplomarbeit)